Interview mit Rudolf Lex

Interview mit Rudolf Lex, 61 Jahre, Aufsichtsratvorsitzender bis zum 13.06.2013

Wie kamen Sie zu Ihrem Aufsichtsratsposten in der Postbaugenossenschaft?

Ich habe mich mal über die Kündigung eines Tiefgaragenstellplatzes geärgert und bin der Sache nachgegangen. Dabei habe ich gemerkt wie wenig man doch über die Strukturen in der Genossenschaft weiß. Da zum gleichen Zeitpunkt eine Stelle im Aufsichtsrat frei wurde habe ich mich aufstellen lassen und bin dann gleich bei der nächsten Generalversammlung in den Aufsichtsrat gewählt worden.

Und wann war das?

Seit 1997 bin ich Mitglied und seit 2002 Vorsitzender, da mein Vorgänger damals aufgehört hat und die Wahl dann auf mich fiel.

Was sind die Aufgaben eines Aufsichtsrats?

Der Aufsichtsrat hat den Vorstand zu überwachen und zu unterstützen. Der Aufsichtsrat ist an sämtlichen Beschlüssen beteiligt. Und wenn der Aufsichtsrat mit den geschäftlichen Beschlüssen des Vorstandes nicht einverstanden ist, kann er den Vorstand nach 3 Jahren abberufen. Der Aufsichtsrat muss sämtliche Beschlüsse genehmigen und kann dabei auch jeden Beschluss zu Fall bringen. Der Aufsichtsrat sollte aber mit dem Vorstand an einem Strang ziehen, sonst bewegt sich gar nichts.

Wie groß ist der Aufsichtsrat?

Laut Satzung zwischen drei und sechs Personen, zur Zeit sind es fünf ehrenamtliche Aufsichtsräte. Bei Stimmengleichheit gilt jeder Antrag als abgelehnt. Es kommt aber immer zu einer Entscheidung.

Wie oft finden Aufsichtsratssitzungen statt?

Als Aufsichtsratsvorsitzender treffe ich mich wöchentlich mit dem Vorstand, dabei wird dann beschlossen, was in der monatlichen Aufsichtsratsitzung besprochen wird. Der Vorstand hat dabei die Pflicht, sämtliche anstehende Aktionen vorzulegen. Als Aufsichtsratsvorsitzender bin ich dabei das Sprachrohr des Aufsichtsrates, habe aber kein erweitertes Stimmrecht und vertrete auch keine eigene Meinung gegenüber dem Vorstand.

Was ist das Besondere an dem Zusammenleben in der Genossenschaft?

Jeder kann sich einbringen und bei der Generalversammlung mitwirken. Die Generalversammlung ist das mächtigste Gremium, sie kann sogar theoretisch die Genossenschaft auflösen - das wird aber keiner wollen. Die Mieten sind doch ziemlich günstig und man muss keine Kündigungen aus Marktgründen befürchten.

Seit wann leben Sie in der Genossenschaft?

Ich bin seit 1970 in einer Genossenschaftswohnung, damals eine der ersten mit Zentralheizung und fließend warmem Wasser im Badezimmer.

Wie bewerten Sie die Zukunftsaussichten der Genossenschaft?

Wir sind auf einem guten Weg, die Genossenschaft noch auszubauen. Ich würde mir dennoch wünschen, dass sich mehr Menschen innerhalb der Genossenschaft engagieren. Durch die neue Geschäftsstelle an der Arnulfstraße erwarten wir einen erhöhten Publikumsverkehr. Ab Dezember wird dann während der Woche regelmäßig vor- und nachmittags ein Ansprechpartner für Mietinteressenten und Bewohner vor Ort sein. Außerdem würden wir es grundsätzlich begrüßen, wenn sich mehr jüngere Menschen in der Genossenschaft und auch im Aufsichtsrat engagieren.