Interview mit Uschi Schirmer-Hanglberger

Interview mit Uschi Schirmer-Hanglberger, 60 Jahre, Postbeamtin a. D., Mieterin mit "Münchner Küche"

Die "Münchner Küche" war eine Revolution in ihrer Zeit, die erste moderne Einbauküche. Was ist für Sie das Besondere an dieser Küche?

Die Küche ist der Grund, warum ich noch immer hier wohne. Schauen Sie, die raumhohen Wandschränke mit Schiebetüren, oder die berühmte Besenkammer mit dem obligatorischen Haken für die Schürze der Hausfrau. Außerdem natürlich das Fenster zur Loggia, die verglaste Wand mit Blick auf das Esszimmer und die Oberlichter, die Licht in den Flur brachten. Hier wurden diese Oberlichter allerdings von irgendeinem Vormieter zugebaut. Dann ist da noch der Schuhschrank, der vom Flur und von der Küche aus zugänglich ist. Ganz einfach kann man sagen, die Küche ist rundum praktisch. Und sie war auch vor mehr als achtzig Jahren schon praktisch. Es ist für mich etwas Besonderes in so einem historischen Raum zu leben. Es gibt hier wohl nur noch fünf derartige Küchen in der Mustersiedlung. Wie gesagt, wegen dieser Küche möchte ich hier bleiben, obwohl die Arnulfstraße immer lauter wird und bei mir Lastwagen durchs Schlafzimmer fahren.

Könnten Sie sich vorstellen eine moderne Küche zu haben?

Da denke ich oft darüber nach. Wenn ich ausziehen würde - mein Gott - dann müsste ich mir eine neue Küche kaufen! Ich finde die heutige Küchenmanie abartig: Die Menschen kaufen sich für zigtausend Euro eine Küche als Statussymbol. Mir ist meine lieber, sie ist eben etwas sehr Spezielles.

Wie lange wohnen Sie schon hier in der Genossenschaft?

1971 bis 1980 wohnte ich schon einmal in der Genossenschaft, dann war ich zehn Jahre in Haidhausen. Als das Haus, in dem ich lebte, 1991 verkauft wurde, bin ich hierher gezogen.

Sie kennen also den "freien" Wohnungsmarkt und das Leben in einer Genossenschaft. Welche Vorteile bringt die Genossenschaft?

Die ursprüngliche Genossenschaftsidee ist mir wichtig. Es ist anders, als einem "ruachaden" (geizig, gierig Anm. der Red.) Hausbesitzer ausgeliefert zu sein.

Was sind in Ihren Augen die größten Veränderungen hier in der Siedlung?

Die Mieterstruktur hat sich verändert, das liegt wohl auch daran, das keine Postler mehr eingestellt werden. Zeitweise waren auch die Mietpreise so hoch, dass sich die Postler es nicht mehr leisten konnten oder wollten hier zu wohnen. Heute ist die Siedlung ein Spiegelbild aller Menschen, die in München leben. Internationalität herrscht hier übrigens schon seit den 60er Jahren, als die Post auch ausländische Mitarbeiter eingestellt hat.

Was wünschen Sie sich als Mieterin für die Zukunft der Genossenschaft?

Die Genossenschaft ist seit einiger Zeit unter professioneller Leitung. Ich hoffe, dass sich das positiv für die Mieter auswirkt. Dass sich an der ursprünglichen Struktur der Genossenschaft nicht viel ändert und der Bestand an Wohnungen im Großen und Ganzen erhalten bleibt. Es gibt viele Menschen, die in Not geraten würden, wenn man ihre Wohnungen verkauft. Ich wünsche mir, dass hier so etwas nicht geschieht.